In der hinduistischen Philosophie gilt die gesamte Schöpfung als Vishnu Lila—als das Spiel Vishnus. Lila bedeutet Tanz oder Spiel. Auch in der hinduistischen Philosophie nennen sie die Welt Illusion; und im Lateinischen hat das Wort Illusion als Wurzel ludere—spielen.
Unser gewöhnliches Gefühl, die Person sei wie eine einsame Insel des Bewusstseins, ist eine dramatische Illusion – gegründet auf theologischen Bildern.
Wir leben in einer Kultur, die vollständig vom Wahn des „Zeitsinns“ hypnotisiert ist. In ihr fühlt sich der sogenannte gegenwärtige Augenblick an wie nichts als eine unendlich dünne Haarlinie zwischen einer verursachenden Vergangenheit und einer überwältigend wichtigen Zukunft. Wir haben keine Gegenwart. Unser Bewusstsein ist fast vollständig mit Erinnerung und Erwartung beschäftigt. Wir merken nicht, dass es niemals eine andere Erfahrung gab, gibt oder geben wird als die Erfahrung des Jetzt. Deshalb sind wir von der Wirklichkeit entfremdet.
Veränderung ist eine Illusion, weil wir immer an dem Ort sind, an dem jede Zukunft uns hinführen kann.
Wenn du in einem Zustand der Illusion bleiben willst, bleib darin. Aber du kannst jederzeit aufwachen.
Doch jedenfalls geht es darum: Gott ist das, was niemand zuzugeben bereit ist – und doch ist es jeder wirklich. Wenn du aus dieser Illusion erwachst und verstehst, dass Schwarz Weiß bedeutet, dass das Selbst das Andere bedeutet, dass Leben Tod bedeutet – oder soll ich sagen: dass Tod Leben bedeutet – dann kannst du dir selbst begreifen.
Du hast gesehen, dass das Universum im Grunde eine magische Illusion und ein wundervolles Spiel ist—und dass es kein getrenntes „du“ gibt, das daraus etwas herausbekommen will, als wäre das Leben eine Bank, die man ausrauben könnte. Das einzige wirkliche „du“ ist das, das kommt und geht, sich manifestiert und sich ewig zurückzieht—in und als jedes bewusste Wesen. Denn „du“ bist das Universum, das sich selbst aus Milliarden von Blickwinkeln betrachtet—Blickwinkel, die kommen und gehen, damit die Schau immer neu bleibt.
Wer die ganze Zeit denkt, hat nichts zu denken außer Gedanken. So verliert er den Kontakt zur Wirklichkeit und lebt in einer Welt des Scheins.
Wir leben in einer Kultur, die vollständig hypnotisiert ist von der Illusion der Zeit.
Was wir als Tod, als leeren Raum oder als Nichts sehen, ist nur die Senke zwischen den Wellenbergen dieses endlos wehenden Ozeans. Es gehört alles zu der Illusion, dass es in der Zukunft etwas zu gewinnen gäbe und dass es dringend nötig sei, immer weiterzumachen, bis wir es bekommen. Doch so wie es keine Zeit gibt außer dem Jetzt und niemand außer dem All-und-allem, gibt es niemals etwas zu gewinnen – obwohl der Reiz des Spiels darin besteht, so zu tun, als gäbe es das.