Carl Jung Zitate uber die Zeit
Synchronistische Phänomene beweisen das gleichzeitige Auftreten bedeutungsvoller Entsprechungen in heterogenen, kausal nicht verbundenen Prozessen; mit anderen Worten: Sie beweisen, dass ein Inhalt, den ein Beobachter wahrnimmt, zur selben Zeit auch durch ein äußeres Ereignis dargestellt werden kann – ohne irgendeine kausale Verbindung. Daraus folgt entweder, dass die Psyche nicht in der Zeit lokalisiert werden kann, oder dass der Raum relativ zur Psyche ist.
Was nach dem Tod geschieht, ist so unaussprechlich herrlich, dass unsere Vorstellungskraft und unsere Gefühle nicht ausreichen, um auch nur eine annähernde Vorstellung davon zu bilden. Die Auflösung unserer zeitgebundenen Gestalt in der Ewigkeit bringt keinen Bedeutungsverlust.
Dass die Astrologie dennoch gültige Ergebnisse liefert, beweist: Nicht die scheinbaren Stellungen der Sterne wirken, sondern vielmehr die Zeiten, die anhand willkürlich benannter Sternpositionen gemessen oder festgelegt werden. So zeigt sich: Zeit ist ein Strom von Energie, erfüllt mit Qualitäten – nicht, wie unsere Philosophie meint, ein abstrakter Begriff oder eine Voraussetzung des Wissens.
Das Rätselhafte ist, dass es tatsächlich eine merkwürdige Übereinstimmung zwischen astrologischen und psychologischen Tatsachen gibt—sodass man Zeit von den Eigenschaften eines Menschen trennen kann und auch Eigenschaften aus einer bestimmten Zeit ableiten kann.
Archetypen ähneln den Flussbetten: Sie sind ausgetrocknet, weil das Wasser sie verlassen hat, obwohl es jederzeit zurückkehren kann. Ein Archetyp ist etwas wie ein alter Wasserlauf, entlang dessen das Wasser des Lebens für eine Zeit geflossen ist und sich dabei einen tiefen Kanal gegraben hat. Je länger es floss, desto tiefer wurde der Kanal—und desto wahrscheinlicher ist es, dass das Wasser früher oder später zurückkehrt.
