Wer sich nicht von bösem Handeln abgewandt hat, dessen Sinne ungebändigt sind, wer nicht in Ruhe ist, dessen Geist nicht zur Ruhe gekommen ist—der kann dieses Atman selbst durch Wissen niemals erlangen.
Die Vorstellung von Lohn und Strafe entspringt ebenfalls diesem Gesetz. Was wir säen, müssen wir ernten. Es kann nicht anders sein. [...] Wenn jemand sein ganzes Leben in bösem Denken und im Unrecht verbringt, dann ist es für ihn nutzlos, nach Glück im Jenseits zu suchen; denn unser Jenseits ist kein Zufall, sondern folgt als Reaktion auf unser gegenwärtiges Handeln. [...] Doch wir sollten nie aus dem Blick verlieren, dass all diese Vorstellungen von Lohn und Strafe im Bereich der Relativität oder Endlichkeit existieren. Keine Seele kann jemals durch ihre endlichen bösen Taten für immer verdammt sein; denn Ursache und Wirkung müssen immer gleich sein. So sehen wir mit gesundem Menschenverstand, dass die Theorie von ewiger Verdammnis und ewigem Himmel unmöglich und unlogisch ist, weil keine endliche Handlung ein unendliches Ergebnis hervorbringen kann. Daher ist nach Vedanta das Ziel der Menschheit weder zeitliches Vergnügen noch Schmerz, sondern Mukti — absolute Freiheit. Und jede Seele schreitet bewusst oder unbewusst auf dieses Ziel zu, durch die verschiedenen Erfahrungen von Leben und Tod.
Die Hindus geben einer unsichtbaren Vorsehung nicht die Schuld an allem Leid in dieser Welt, sondern erklären es durch das natürliche Gesetz von Ursache und Wirkung. Wenn ein Mensch glücklich oder elend geboren wird, muss es dafür einen Grund geben; wenn wir ihn also in diesem Leben nicht finden können, muss er in einem früheren Dasein geschehen sein—denn ohne Ursache ist keine Wirkung möglich. Alles Gute, das uns widerfährt, ist das, was wir uns durch eigenen Einsatz verdient haben; und alles Böse, das es gibt, ist das Ergebnis unserer eigenen früheren Irrtümer. Und da unsere Gegenwart von unserer Vergangenheit geformt wurde, wird unsere Zukunft von unserer Gegenwart geprägt werden.
Das Böse kann niemals bestehen, auch wenn es für eine Zeit triumphiert zu haben scheint. Es ist nur eine Frage unserer Ausdauer und Geduld.