Nur wer ein zusammenhängendes Verstehen von Sichtbarem und Unsichtbarem, von Materie und Geist, von Tätigkeit und dem, was hinter der Tätigkeit steht, besitzt, bezwingt die Natur und überwindet so den Tod.
Die Vorstellung von Lohn und Strafe entspringt ebenfalls diesem Gesetz. Was wir säen, müssen wir ernten. Es kann nicht anders sein. [...] Wenn jemand sein ganzes Leben in bösem Denken und im Unrecht verbringt, dann ist es für ihn nutzlos, nach Glück im Jenseits zu suchen; denn unser Jenseits ist kein Zufall, sondern folgt als Reaktion auf unser gegenwärtiges Handeln. [...] Doch wir sollten nie aus dem Blick verlieren, dass all diese Vorstellungen von Lohn und Strafe im Bereich der Relativität oder Endlichkeit existieren. Keine Seele kann jemals durch ihre endlichen bösen Taten für immer verdammt sein; denn Ursache und Wirkung müssen immer gleich sein. So sehen wir mit gesundem Menschenverstand, dass die Theorie von ewiger Verdammnis und ewigem Himmel unmöglich und unlogisch ist, weil keine endliche Handlung ein unendliches Ergebnis hervorbringen kann. Daher ist nach Vedanta das Ziel der Menschheit weder zeitliches Vergnügen noch Schmerz, sondern Mukti — absolute Freiheit. Und jede Seele schreitet bewusst oder unbewusst auf dieses Ziel zu, durch die verschiedenen Erfahrungen von Leben und Tod.
Das Jenseits leuchtet denen nicht auf, die die Fähigkeit zur Unterscheidung vermissen und sich deshalb leicht von dem Reiz vergänglicher Dinge fortreißen lassen. Wie Kinder von Spielzeug verlockt werden, so werden sie von Vergnügen, Macht, Namen und Ruhm verlockt. Für sie scheinen das die einzigen Wirklichkeiten zu sein. So an vergänglichen Dingen haftend, geraten sie viele Male unter die Herrschaft des Todes. Ein Teil von uns muss sterben; ein anderer Teil stirbt niemals. Wenn ein Mensch sich mit seiner unsterblichen Natur identifizieren kann — die eins ist mit Gott — dann überwindet er den Tod.
Kinder (die Unwissenden) jagen äußeren Freuden; so fallen sie in die weitverbreitete Falle des Todes. Doch die Weisen, die die Natur der Unsterblichkeit kennen, suchen nicht das Dauerhafte unter dem Flüchtigen.
Solange der Mensch von der Dunkelheit der Unwissenheit überwältigt ist, ist er Sklave der Natur und muss alles, was geschieht, als Frucht seiner Gedanken und Taten annehmen. Wenn er in den Pfad der Unwirklichkeit abirrt, sagen die Weisen, dass er sich selbst zerstört; denn wer am vergänglichen Körper hängt und ihn als sein wahres Selbst betrachtet, muss den Tod viele Male erfahren.